


© Brgitte Tegtmeier
DER WEISE
Er hat viel gesehen. Nicht, weil er besonders weit gereist wäre. Sondern weil er gelernt hat, genau hinzusehen. Während andere eilig durch die Welt hoppeln, bleibt der Weise manchmal einfach sitzen. Er beobachtet das Licht, das über die Wiese wandert, hört dem Wind im Gras zu und betrachtet die Menschen, die kommen und gehen. Er weiß, dass Stille manchmal mehr erzählt als viele Worte. Er urteilt nicht vorschnell. Er hört zu. Er wartet. Und wenn er schließlich seinen Blick hebt, hat man das merkwürdige Gefühl, dass er gerade mehr über uns erfahren hat als wir über ihn.
Es kann aber auch durchaus passieren, dass er nach einem langen Tag des Nachdenkens plötzlich einer besonders schönen Karotte begegnet – und für einen kurzen Augenblick alle großen Fragen des Lebens vergisst. Vielleicht ist auch das Weisheit. Zu wissen, wann man in die Tiefen des Seins eintauchen sollte – und wann man einfach nur genießt.