


© Brgitte Tegtmeier
HERR JENSEN
Herr Jensen ist etwas aus der Zeit gefallen. Man sagt, er sei ein gebildeter kultivierter Herr alter Schule, denn er legt Wert auf Anstand, Höflichkeit und Bildung. Und tatsächlich: Er hat viel gelesen, kennt die großen Gedanken der Welt und versteht es, sich zu jeder Gelegenheit angemessen zu äußern. Seine Umgangsformen sind tadellos. Ein höfliches Neigen des Kopfes, ein wohlgesetztes Wort, ein diskreter Blick über den Rand seiner imaginären Brille – und schon fühlt man sich in eine Zeit versetzt, in der man noch wusste, wie man einen Brief beginnt und einen Gast empfängt.
Über die Kunst, die Natur und den Menschen weiss er zu philosophieren und natürlich über die großen Fragen des Lebens. Dabei erweckt er niemals den Eindruck jemanden etwas beweisen zu müssen.
Seine neonfarbenen Federn trägt er stilbewusst und mit stolzer Selbstverständlichkeit. Er hält seine Erscheinung keineswegs für extravagant. Im Gegenteil – er ist der festen Überzeugung, dass ein Mann von Geist schließlich auch äußerlich einen gewissen Anspruch vertreten darf. Für ihn eine Frage der Liebe zur Ästhetik.